Was ist Epilepsie? Epilepsie ist eine Erkrankung mit anfallsartigen Episoden von Krampfaktivität und zum Teil mit Bewußtseinsverlust. Im Gehirn kommt es plötzlich zu spontanen elektrischen Entladungen, die motorische oder sensorische Symptome verursachen. Woher kommt Epilepsie? 1. Primäre angeborene Epilepsie 2. Organische Ursachen: z.B. Erkrankungen von Herz, Lunge, Leber, Niere, Schilddrüse 3. Toxische Ursachen: z.B. Umweltgifte, Medikamente 4. Metabolische Ursachen: z.B. Blutzucker- oder Kalziumentgleisung 5. Cerebral-organische Ursachen: z.B. Tumor, Blutung, Infektion im Gehirn Organisch bedingte oder erworbene Epilepsie (2-5) nennt man auch sekundäre Epilepsie. Die vererbte und daher bereits angeborene Epilepsie hat keine erkennbare Ursache und heißt daher primäre Epilepsie. Bei einigen Hunderassen ist die Vererbbarkeit von primärer Epilepsie bewiesen. Hierzu zählt der Beagle. Woran erkenne ich einen epileptischen Anfall? Der Anfall kann jederzeit ohne erkennbaren Anlaß auftreten. Er beginnt plötzlich, manchmal kündigt er sich durch Verhaltensänderungen des Hundes an. Meistens verlieren die Tiere das Bewußtsein, liegen auf der Seite und haben Streckkrämpfe bzw. Muskelzuckungen. Kleine umschriebene Entladungen an der motorischen Rinde führen zu Krämpfen einzelner Muskelgruppen, generalisierte Entladungen zum kompletten Krampfen des gesamten Körpers, Entladungen an der sensorischen Rinde zeigen sich nur an Verhaltensstörungen (z.B. ständiges Kauen, Lecken, Beißen, etc.). Oft kommt es im Rahmen eines Anfalls zu Urin- oder Kotabgang. Nach dem Anfall zeigt sich oft das sog. Postepilepsie-Syndrom: ein vorübergehendes neurologisches Defizit mit z.B. Bewegunggstörungen, Blindheit oder Taubheit. | ||||||||
Ist Epilepsie gefährlich für den Hund? Es gibt große und kleine Anfälle. Die großen führen immer zu einer dauerhaften Schädigung des Gehirns, die weitere Anfälle begünstigen kann. Außerdem kann ein heftiger Anfall insbesondere bei organischen Vorerkrankungen zum Herz-Kreislauf-Versagen führen. Der Dauerzustand eines epileptischen Anfalls (Anfallsdauer >15 Min., auch mit kurzen Unterbrechungen) wird als "status epilepticus" bezeichnet. Selbstverständlich gehört ein solcher Hund in sofortige tierärztliche Behandlung. Hilfe während oder nach dem Anfall? Da ein Hund während des Anfalls seine Umgebung nicht wahrnehmen kann, bleiben helfende Maßnahmen darauf beschränkt, den Hund vor sich selbst zu schützen (z.B. Polsterung der Umgebung, um Verletzungen zu vermeiden). Eine besondere Gefährdung für den Hund besteht in einer Verlegung der Atemwege durch die nach hinten gefallene Zunge. In diesem Fall müßten die Atemwege freigemacht werden, wobei es sehr gefährlich sein kann, einem krampfenden Hund ins Maul zu greifen. Beißkeile können hier hilfreich sein. Nach Ende des Krampfanfalls sollte man beruhigend auf sein Tier einwirken, das vom Krampfanfall nichts wissen und daher natülich nicht geschimpft werden kann. Es handelt sich ja um eine nicht vom Tier verschuldete Erkrankung! Über jeden Anfall muß der Tierarzt sofort informiert werden: zur Erstdiagnose bzw. später z.B. zur Therapieanpassung | ||||||||
Ist Epilepsie heilbar oder zumindest behandelbar? Da man die Ursache für die primäre Epilepsie nicht behandeln kann, ist sie auch nicht heilbar. In 80% der Fälle kann die Frequenz, die Intensität oder die Dauer der Anfälle medikamentös reduziert werden. Sekundäre Epilepsie-Formen können evtl. mit Ausschalten der Ursache beseitigt werden, z.B. Operation bei Hirntumor oder-blutung, Diabetes-Einstellung, Behandlung von Leber- oder Nierenerkrankung. Epilepsie - was tun? Sekundäre Epilepsieformen wird es immer geben, da es sich ja um erworbene Erkrankungen handelt. Gegen die primäre, d. h. von Generation zu Generation vermutlich autosomal rezessiv vererbte Epilepsie läßt sich etwas tun: " Durch gezielte Zuchthygiene, damit ist ein rigoroser Ausschluß aller Beagles mit diagnostizierter primärer Epilepsie von der weiteren Zucht gemeint, kann die Häufigkeit des Auftretens dieser Krankheit deutlich reduziert werden. Da primäre Epilepsie oft erst im Alter von 1 - 3 Jahren auftritt, sollten in so einem Fall auch bereits vorhandene Nachkommen dieses Tieres nicht zur Zucht herangezogen werden." (Zitat: Dr. M. Leschnik, Neuorologie, Veterinärmedizinische Universität Wien) | ||||||||
An allen Kommentaren zum Thema, vor allem über eigene Erfahrungen mit an Epilepsie erkrankten Beagles sind wir sehr interessiert. Soweit uns möglich, werden wir auch Fragen zu dieser Erkrankung gerne beantworten. Gerne geben wir auch Adressen spezialisierter Tierärzte weiter. Wie oben erwähnt hilft uns auf dem Weg, diese Krankheit möglichst auszurotten, nur gezielte Zuchthygiene. Hierzu brauchen wir aber Ihre Hilfe. Um genetische Zusammenhänge feststellen zu können, müßte jeder erkrankte Beagle gemeldet werden. Falls Sie also einen an Epilepsie erkrankten Beagle kennen, besitzen oder besessen haben, melden Sie sich bitte bei uns. Auf Wunsch werden Ihre Angaben natürlich streng vertraulich behandelt. e-mail bitte an: dr.muckelbauer@t-online.de | ||||||||